Behördenignoranz und Armutszeugnis: Seit einem dreiviertel Jahr keine Veränderung an der Baustelle St. Jürgen Ring

Lang ist’s her. Irgendwann einmal, Anfang des letzten Jahres, wurde der vielbefahrene Radweg entlang der St. Jürgen Ringes aus Richtung Marli nach Genin unterbrochen. Wegen einer Baustelle. Weil ein Kran viel Platz benötigte, wurde der Fußweg über die Parkplätze verschwenkt und der Radweg gestrichen (Verkehrszeichen 239).

Mutmaßen wir mal, dass man keinen gemeinsamen Fuß- und Radweg (Vz 240) hatte einrichten wollen, weil der Weg einfach zu schmal war. Nun hätte man ihn mit ein wenig Bemühung so breit machen können, dass man einen gemeinsamen Fuß- und Radweg hätte einrichten können. Aber das war den Verantwortlichen wohl zu anstrengend – bzw. hätte bedeutet, dem Autoverkehr einen halben Meter Spurbreite zu entnehmen.

Sollen die blöden Radler absteigen und schieben, mag man sich in den zuständigen Stellen gedacht haben. Dass nebenan der Autoverkehr auf gleich zwei gut ausgebauten Fahrbahnen luxuriös rollen darf, spielte sicher keine Rolle. Denn durch die Anordnung eines Fußweges erlischt die Benutzungspflicht des Radweges, was das Befahren der Fahrbahn erlaubt. Dies ist jedoch kaum möglich, da es keine Bordsteinabsenkung gibt und parkende Autos die Sichtbeziehungen erschweren.

Wir haben in mehreren E-Mails auf diesen Missstand hingewiesen, Widerspruch eingelegt und sogar Verbesserungsvorschläge gemacht. Keine dieser E-Mails wurde von den Lübecker Behörden in irgendeiner Form berücksichtigt. Wir haben nicht einmal eine Stellungnahme erhalten.

Dieses Verhalten der Lübecker Straßenverkehrsbehörde ist unserer Ansicht nach nicht akzeptabel. Man unterbricht eine wichtige Radverkehrsverbindung ohne Not, könnte die Verkehrsführung entlang der Baustelle fahrradfreundlich gestalten, ignoriert aber beharrlich jede Einwendung betroffener Bürgerinnen und Bürger. Ein verkehrspolitisches Armutszeugnis der Stadt Lübeck.

Wir halten dieses Verhalten der Lübecker Verwaltung für unprofessionell, intransparent und verkehrspolitisch so inakzeptabel wie anachronistisch. Es darf nicht sein, dass eine zentrale Verbindung für den Radverkehr mittlerweile ein dreiviertel Jahr lang durch eine schlecht angelegte Baustelle behindert wird und zuständige Behörden untätig bleiben.

Nachtrag:

Dieser Beitrag wurde auch auf unserer Facebook-Präsenz publiziert und von einem User auf der Fb-Seite lübeck – bürgerforum geteilt. Auch dort trat bei einigen Kommentatoren wieder der fast reflexartige Radfahrerhass auf, der sich in Forderungen nach Kennzeichen- und Steuerpflicht sowie der Behauptung, Radfahrer hielten sich ja sowieso nicht an Verkehrsregeln, äußerte. Sachkenntnis über Unfallursachen oder die gesellschaftlichen Kosten des Autoverkehrs waren kaum vorhanden, dafür viel motorinduzierte Emotion.